Das Thema Frauenquote scheint ein echtes Problem zu sein. In was für einer heilen Welt muss ich leben, dass es mich so wenig berührt? Na ja, wahrscheinlich habe ich einfach nur Glück gehabt, dass ich als Frau in einer sogenannten Männerdomäne tätig bin. Dass ich ein echtes Interesse an Technik habe und gerne an PCs herum schraube. Dass ich bemüht bin, deren Funktion zu verstehen und zur Not auch mal entsprechende technische Fachliteratur lese. Dass ich mit zahlreichen männlichen Kollegen IT-Schulungen besucht habe. Dass ich kein Problem damit habe, mal einen Laserdrucker abzubauen, herumzutragen und zu zerlegen. Dass ich Kabelgewirr in Patchfeldern nicht als kompliziert, sondern als strukturiert empfinde. Dass es mir Spaß macht, meine eigene Seite zu betreiben und ich mich halt einlese, wenn was nicht klappt. Dass ich … Ach, lassen wir das.
Wahrscheinlich bin ich einfach nur nicht normal. Das würde auch erklären, warum ich weder im beruflichen Umfeld noch bei den Schulungen je viele Frauen um mich hatte. Um es konkret zu sagen: Bis vor ein paar Jahren war ich in meinem Bereich die einzige. Aber was ich oft gehört habe, war: „Wow, dass Sie sich mit so was alles auskennen … Mit all diesen technischen Dingen …“
Mag sein, dass das daran liegt, dass ich quasi ohne Mann im Haushalt aufgewachsen bin und auch heute ohne Mann im Haushalt lebe. Bis man einen Mann auftreibt, der einem im Problemfall helfen kann, hat man schneller selbst was nachgelesen. Und so ergibt eins das andere.
Das Schlimmste wäre für mich, wenn via Quotenregelung irgendwelche Frauen in mein Arbeitsgebiet eindrängen, die zwar von PCs keine Ahnung haben und sich auch absolut nicht dafür interessieren, die aber diesen Job machen müssen, damit ein hälftiger Anteil an Frauen erfüllt ist.
Klaaaar, so weit wird es nie kommen, denn das ist ja mit Gleichstellung nicht gemeint. Sie soll ja ein Kann gewährleisten und nicht ein Muss.
Aber warum wird dann, liebe Freunde, derzeit der Frauenanteil bei den Piraten und in deren Bundesvorstand diskutiert?
Liebe Emju, schwieriges Thema!
Da kann man sich schnell mal in die Nesseln setzen, trotzdem würd ich gern meinen Senf dazu geben!
Bin von emanzipierten Frauen (meine Schwester ist 12 Jahre älter als ich) und einem selbstbewusstem Vater erzogen worden.
Ich bin aufgewachsen mit dem Selbstverständnis, das Männer und Frauen gleichberechtigt sind, nicht mehr, und auch nicht weniger.
Deshalb hab ich auch bis heute nicht verstanden, warum ich damals zur Bundeswehr gehen musste, während meine Klassenkameradinnen direkt an die Uni/Job/Ausbildung/Freiheit durften. Ich denke so ein soziales Jahr (in welchem Bereich auch immer) schadet keinem.
Ist aber auch nicht so wichtig, für mich persönlich jedenfalls.
Wichtiger ist mir folgendes: Ich habe miterlebt, wie schwierig es für meine Schwester war, als Alleinerziehende eine Ausbildung zu absolvieren und sich um ihr Kind zu kümmern.
Es gibt meiner Meinung nach einen Bedarf nach mehr Unterstützung für genau diese Gruppe von Frauen, denn schließlich kann ich keine Kinder kriegen, und die Kinder sind unsere Zukunft. Damit wäre schon viel getan, für die Chancengleichheit.
Außerdem halte ich Frauenquoten (auch in Parteien) für groben Unfug. Wer würde denn ernsthaft eine Frauenquote beispielsweise für Dachdecker fordern?
Um jetzt noch den Bogen zu den Piraten zu kriegen: Es wäre schon schlau, eine Frau im Vorstand zu haben. Rein Imagetechnisch!
Und zwar ehrlich gewählt, nicht durch Quote erzwungen!
Lieben Gruß,
der Malle
Ganz kurz: Weil das nahezu völlige Fehlen von Frauen etwas darüber aussagt, ob etwas “Männerdomäne” ist oder nicht. Das wundert bei der PP sicher die wenigsten (weil halt: IT usw.). Was verwundert, ist das sich ein fast ausschließlicher Männerverein hinstellt und sagt: Gender? Pah, da stehen wir drüber, da mache mer nix.
Und das wird meiner Wahrnehmung nach meist kritisiert.
Ti
Hi der Malle
Was die Gleichstellung von Mann und Frau bezüglich der Pflicht angeht, irgendwas für den Staat zu tun, ob nun Bundeswehr, freiwilliges soziales Jahr, Zivildienst oder was auch immer, hast Du vollkommen recht. Wenn schon, dann für alle. Das würde dann vielleicht auch zur Folge haben, dass niemand mehr zum Bund muss, der nicht will, sofern er die Wahl hat, auch andere Dienste zu leisten und manch ein Mädel Soldat würde, obwohl sie es nicht muss. Jeder ist anders gestrickt und eine Wahlfreiheit der Art des Dienstes bei grundsätzlicher Verpflichtung entspräche dem.
Auch was Du zu den Problemen schreibst, die eine junge alleinerziehende Frau hat, kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich bin das Kind von so einer Frau und glaub mir, ich weiß, was Entbehrung – vor allem im familiären Bereich – heißt. Das ist aber m.E. weniger ein Problem der Gleichberechtigung. Ein alleinerziehender Mann stünde genauso bescheiden da. Es ist mehr Problem der Familienförderung.
So lange Alleinerziehende im selben Umfang arbeiten müssen wie Kinderlose – oder gar mehr, schließlich haben sie mehr Bäuche satt zu kriegen -, so lange werden sie ihren Kindern fehlen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Wer eine 40+-Stunden-Woche abschrubbt und dann am Abend noch den Haushalt schmeißen muss, der hat sicher ein großes Vergnügen daran, mit den Kids die Hausis zu machen und dann noch mit ihnen zu spielen, zu lernen oder was immer das Kind gerade für Bedürfnisse hat.
Ich bin nicht zuletzt deshalb auf eine Ganztagsschule gegangen, weil meine Mom einfach zu wenig Zeit für all das hatte. Sie wäre dem auch kaum gewachsen gewesen. Niemand ist ein Übermensch, auch nicht alleinerziehende Elternteile.
Daher denke ich, solche Lebenssituationen lassen sich am besten mit Ganztagsbetreuung meistern. Sprich: Von 6-18 Uhr zugängliche Kitas/ Kindergärten und Ganztagsschulen mit Hausaufgabenbetreuung und ggf. Lernunterstützung. Ich habe das enorme Glück, auf so einer Schule gewesen zu sein. Dort gab es auch ein gutes und bezahlbares Mittagessen. Das war in den 80ern schon möglich und sollte es heute auch noch sein.
Aber es bleibt eine familienpolitische und kultuspolitische Angelegenheit und fällt nicht in den Bereich Gleichberechtigung.
By the way, um Gleichberechtigung geht es mir in meinem Artikel gar nicht. Es geht mir um Quoten. Es geht mir um Artikel wie diesen hier von Antje Schrupp (http://antjeschrupp.com/2010/05/16/die-piraten-und-ihr-frauenproblem/) in dem Wohl und Weh einer Partei davon abhängig gemacht werden, ob sie für Frauen interessant ist.
Die Frauen, die sich wie ich für ihre Bürgerrechte interessieren, für ihre informationelle Selbstbestimmung und … (huch, das klingt ja wie das Parteiprogramm der Piratenpartei!) … ach, Du weißt schon, für diese Frauen IST die Piratenpartei bereits attraktiv. Und wenn die so drauf sind wie ich, können sie sich gegenüber Männern auch ganz gut durchsetzen. Die meisten müssen das nämlich jeden Tag in ihrem Job.
Die anderen Damen, ob nun Pirat oder Journalist oder einfach nur Auchwassagenwoller, sollten sich mal überlegen, ob ihre Vorstellung davon, wie die Struktur einer Partei auszusehen hat, für die Piraten überhaupt anwendbar ist.
Natürlich wäre es schön, eine Frau im Vorstand zu haben. Wenn aber nun die einzige Kandidatin mit Kernthemen kommt, die selbst bei Frauen nicht durchweg von Gewicht sind, was soll man denn dann machen? Eine schnitzen?
Wenn es Frauen in der Piratenpartei gibt, die kandidieren wollen, dann werden sie das tun. Die von Antje Schrupp zitierte (? – War leider kein Name des /der Zitierten dabei) Erklärung, die Frauen hätten nicht genug „Mut“ gehabt, um zu kandidieren, halte ich persönlich für Unsinn. Wer keinen Mut hat, für ein Amt zu kandidieren, bei dem ist es ohnehin besser, er bekommt keines. Da ist es vollkommen egal ob Mann oder Frau. Wer immer das also gesagt haben soll, der möge in sich gehen und seinen Verstand einschalten. Mut ist das am leichtesten zu Erwerbende, das man benötigt, um ein Amt auszufüllen. Viel schwieriger ist es da schon, genügend Zeit und Kompetenz zu haben.
Wenn Du mal einen schönen Artikel aus der Sicht einer Frau über die Angelegenheit lesen willst, schau Dir diesen hier von Mela Eckenfels an: http://www.mela.de/archives/1236-Warum-ich-mich-fuer-kein-Amt-innerhalb-der-Piratenpartei-zur-Verfuegung-stellen-werde.html
Den sollte Antje Schrupp vielleicht auch mal lesen.
Hi Ti,
ich hoffe, mit meiner Antwort an der Malle auch Deinen Kommentar beantwortet zu haben. Mir als Pirat mit Spiegel ist es vollkommen juck, was da kritisiert wird. Ich persönlich brauche keine parteiinterne Genderdiskussion und halte es für falsch, sie künstlich zu einem Parteithema aufzublähen. Ja, mag blöd von mir sein, aber ich gehe mit denen konform, die sagen, sie stünden drüber.
Ich fühle mich, was die Partei angeht, als Mensch, nicht als Frau. Und genau so werde ich bisher auch von den anderen Menschen akzeptiert. Und jedem anderen zeig ichs
Ich kann Antje Schrupp nicht folgen. Liegt möglicherweise daran, dass mir der quadratische, selbstgerechte Feministinnenblick abgeht, den diese Berufsfrau so hochoffensichtlich drauf hat.