Gedanken an Leipzig und an die Kunst

Hach, was war das wieder toll auf der Leipziger Buchmesse. Nicht nur, dass ich dort einige Foren- und Twitterbekanntschaften endlich mal “in echt” gesehen habe (hier einen dicken Gruß an Steffen, Rainer, Britta, Carmen, Sabine u.v.m.), nein, auch die vielen Eindrücke und interessanten Beiträge waren klasse. Man hat Gelegenheit, weit über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen. Es gibt unzählige Foren – auch solche, die eigentlich für Verleger oder Buchhändler gedacht, aber auch für Autoren interessant sind -, die vermitteln, was sich hinter den Kulissen abspielt bzw. wichtig ist. Außerdem ist die Messe eine wunderbare Möglichkeit, sich mit dem Buch als Gegenstand auseinanderzusetzen, z.B. Art des Einbands, Papier, Farbe desselben, Schriftart und Größe … Da gibt es schon gewaltige Unterschiede bei den einzelnen Verlagen.
Die Qualität eines Buches ist mir enorm wichtig. Schließlich will ich es auch in 30 Jahren noch anfassen können, ohne dass es in zehn Teile zerfällt oder wegen zu enger Zeilensetzung oder zu kleiner Schrift nicht mehr lesbar ist.

Dieses Jahr war eines meiner Highlghts Steffen Meier vom Ulmer Verlag in Stuttgart persönlich kennenzulernen. Wir folgen einander schon einige Zeit auf Twitter und Steffen nahm sich trotz hoher Termindichte Zeit, um einen Kaffee mit mir trinken zu gehen. Wir führten ein sehr interessantes Gespräch, das nicht nur informativ war, sondern auch viel Spaß gemacht hat. (Hier fällt mir ein: Steffen, ich schulde Dir noch einen Kaffee :-) )
Es ging unter anderem um Social Media, das im Bereich Literatur immer mehr an Bedeutung gewinnt, aber auch um die Frage, was dem Autor wichtiger ist: Der Verkauf seines Buches oder dass es gelesen wird. In Zeiten des E-Books ist das beileibe nicht dasselbe (wobei auch das Ausleihen eines gedruckten Buches bei einem Freund dem Autor keinen müden Euro bringt), und die Standpunkte der Autoren dürften da sehr verschieden sein. Meiner ist: Ich will gelesen werden. Das kann ich mir aber auch nur deshalb leisten, weil ich nicht vom Schreiben lebe und bedeutet nicht, dass ich mich nicht voll und ganz den Unterzeichnern der “Leipziger Erklärung” (siehe unten) anschließe.

Außer mit Steffen traf ich mich auch mit Fritz Rainer Polter, der ein Versand-Antiquariat hat (http://www.buchfreund.de/Antiquariat-Wortwahl). Rainer kenne ich aus einem Schreib-Forum, und es ist schon toll, wenn man sich – nachdem man sich in kritischen Beiträgen gegenseitig mit den Texten des anderen auseinandergesetzt hat – endlich einmal gegenübersteht. Aber er erzählte mir auch, wie schwierig es ist, heute vom Buchgeschäft zu leben, und einmal mehr wurde mir klar, dass Kunst, sofern sie nicht auf Mainstream und Kommerz ausgerichtet ist, den Magen kaum zu füllen vermag.

Stellt euch mal vor, es gäbe eine Welt ohne wirkliche Kunst. Bücher werden nur zur Unterhaltung geschrieben, tolle Geschichten, aber keine Sätze, die noch in Jahrhunderten zitiert werden. Bilder werden von Computern generiert – nach vorherigen wissenschaftlichen Auswertungen darüber, was das menschliche Auge anspricht. Schauspieler spielen nur noch, was gewinnversprechend ist. Kleinbühnen existieren nicht mehr. Grauenvoll, oder?

In diesem Zusammenhang war auch mein Besuch beim Stand des “VS – Verband deutscher Schriftsteller” sehr interessant. Dort lag unter anderem die “Leipziger Erklärung” aus, in der Schriftstellerinnen und Schriftsteller die uneingeschränkte Beachtung des Urheberrechts fordern. Und diese bitte ich euch zu lesen und euch Gedanken darüber zu machen. Es geht nicht nur um Plagiate. Letzendlich geht es um den Erhalt der Kunst als solche.

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4 Kommentare zu „Gedanken an Leipzig und an die Kunst“

  1. mikel sagt:

    Ja, nur Begegnungen machen solche Messen schön..

    Nur ein paar Gedanken:

    Werden verkaufte Bücher auch immer gelesen?
    Warum sollen eBooks nicht verkaufbar sein?
    Die eBooks werden leider Buchhändler, Distributoren, Druckereien etc tangieren, nicht aber Autoren, solange sie und die Verlage ein Bezahlmodell erarbeiten, das auch für die Leser akzeptabel ist.

    Wenn man von DER Literatur spricht sollte man eben auch erwähnen, dass es um Verkaufszahlen geht. Schnöden Mammon. Dann wäre das mit dem Urheberrecht einfacher zu erklären, aber wenn es immer nur um das genialische geht…..

    Wenn dann die Schriftsteller, die scheinbar so groß im Geschäft sind samt anhängendem Betrieb dann noch aufhören würden auf uns “Amateure” (im besten Sinne des Wortes, wie oben erwähnt) herabzublicken, könnten wir auch das mit dem Urheberkram besser erklären..

    Transparenz wäre gut, wie fast immer.
    Also auf meiner Seite wurden heute bis jetzt von meinen eBooks/Hörbüchern 140 heruntergeladen. Ich nehme an, dass sie auch gelesen/gehört werden. Ob meine Aufforderung zur Spende an Focus, statt Entgeld nachgekommen wird, wer weiß?

  2. Markus sagt:

    Hi Emju

    Ich verstehe die Unterscheidung nicht zwischen ein Buch kaufen und lesen, wenn es um e-books geht. Das Problem, wenn es denn eines ist, gab es doch schon immer: Die schöne teure Gesamtausgabe vom Goethe auf dem Regal im Wohnzimmer in so vielen Wohnzimmern und viele andere Beispiele.
    Ich selber habe vor einiger Zeit angefangen, e-books mit richtigem Reader zu lesen, weil ich auch nimmer wußte wohin mit all den Büchern. Und ich bin zunehmend begeistert. Ich habe vor einiger Zeit mal meine ersten Erfahrungen hier zusammen geschrieben: http://www.der-sprachlose.de/?p=128
    Ich denke, dass e-book ist die Zukunft und ich persönlich finde das richtig gut. So könnte ich mir, wenn Du eines hättest, es hier ruck zuck runter laden und hätte es Minuten später lesefertig Zuhause :-)
    lg Markus

  3. emju sagt:

    Hi mikel,

    ja, die Frage nach den gekauften Büchern, die vielleicht nie gelesen werden, ist durchaus berechtigt. Auch ich habe reichlich solche Bücher in den Regalen stehen. Zum Teil sind es Schmuckbände (ich steh auf schöne Bücher), wie z.B. Moby Dick, die ich zuvor als ‘normales’ Buch gekauft hatte und dann eben noch ein zweites Mal erwarb, zum Teil sind es Bücher, die ich geschenkt bekam oder um eine Sammlung zu vervollständigen gekauft habe. Du merkst, ich bin ein Freund des Papierbuches ;-)
    Dein Einwand mit dem Bezahlmodell ist zum Teil richtig. Grundsätzlich sollte das E-Book günstiger sein als die Printausgabe. Genauer gesagt: mindestens um den Teil, den der Druck auf Papier kostet. Die anderen Kosten bleiben ja gleich (z.B. das Lektorat, das Layout, den Vertrieb usw. ). Aber wenn ich sehe, dass Schätzings Limit als E-Book 25,99 und als Print 26 Euro kostet, fehlt mir dafür das Verständnis. Würde ich mir in dem Fall nur als Print kaufen. (Würde … den Rest spar ich mir.)
    Ob die ‘Profis’ auf uns Amateure herabblicken, kann ich nicht so pauschal sagen. Auf der Messe lernte ich Claudia Toman kennen, die immerhin schon in zwei Büchern verlegt ist und trotz allem ein sehr netter und liebenswürdiger Mensch geblieben ist. Sie schätze ich als eine Person ein, die auch nach ihrer 10. Veröffentlichung noch Bodenhaftung hat. Die sogenannten Beststellerautoren mögen wegen ihrer Popularität zum Teil etwas hochnäsig geworden sein, aber auch da glaube ich, dass man das nicht generell sagen kann, sondern differenzieren muss. Dem einen steigt sein Ruhm zu Kopf, der andere bleibt Mensch unter Menschen.
    Bis jetzt habe ich kein E-Book bereitgestellt (gehe ich nachher bei Markus Kommentar noch drauf ein), aber grundsätzlich habe ich kein Problem damit. Die meisten meiner Kurzgeschichten findest Du ohnehin online, z.B. hier unter „Seiten“, beim Bücherbrett (http://emju.buecherbrett.org/), auf der Literarchie (http://literarchie.plusboard.de/) und nun habe ich mich auch bei keinverlag.de angemeldet. Mein Fernziel ist es, die ‚best of‘ meiner Kurzgeschichten eines Tages als Printauasgabe herausgeben zu lassen oder es ggf. selbst zu tun.
    Dass ich gelesen werden will, wie ich in meinem Artikel schreibe, bedeutet nicht, dass ich nichts daran verdienen will. Ich rechne nur nicht wirklich damit, je davon leben zu können :-)

    Lg
    emju

  4. emju sagt:

    Hi Markus,

    in Teilen steht in meiner Antwort auf Mikels Kommentar, wie ich über Bücher als Printausgabe und ob sie gelesen werden oder nicht, denke. Es geht mir auch um das Schöne am Buch, um das Anfassen, das Ansehen und nicht zuletzt um das Besitzen. Wenn man sieht, wie flüchtig die Speichermedien des IT-Zeitalters sind, bevorzuge ich derzeit noch das sehr dauerhafte Speichermedium Buch.
    Einmal im Jahr mache ich eine große Datensicherung. Dabei speichere ich meine Audiofiles, meine Bilder und alle sonstigen Dokumente, die mir wichtig sind, auf eine externe Platte und lagere die außerhalb meiner Wohnung ein. (Kleine Paranoia, falls es hier mal brennt.) Das ist mittlerweile eine ziemlich umfangreiche Datenmenge, aber immerhin bietet das externe Einlagern eine gewisse Sicherheit im Brandfall. Die habe ich bei den Büchern, Bildern und CDs natürlich nicht.
    Andererseits muss ich aber alle paar Jahre eine andere Schnittstelle nehmen. Erst war es noch IDE, jetzt SATA, irgendwann wird es ein großer USB-Stick sein, eines Tages eine SSD … Die Datensicherung muss ja immer noch zurücksicherbar sein. Das nervt irgendwie. Gesetzt den Fall, meine Bude fackelt mir nie ab, habe ich meine Bücher in 40 Jahren immer noch – so wie ich ersten meine Platten noch besitze und auch noch abspielen kann, da ich den Plattenspieler nie weggeworfen habe.
    So ein E-Book-Reader ist natürlich eine feine Sache. Als zusätzliches Medium zum Buch. Wenn man in den Urlaub fliegt oder viel unterwegs ist oder für die Kinder in der Schule (wäre er toll), damit sie keine 10 Schulbücher mehr mitschleppen müssen, sondern eben nur den Reader. Ich denke, das wird auch irgendwann kommen.
    Da ich für meinen Roman einen Verlag gefunden habe, kann ich ihn nicht hier als E-Book zum Download anbieten. Ich hoffe aber, ihn bald als gedruckt hier vorstellen zu können – und natürlich auch, dass er irgendwann als E-Book erhältlich ist. Für die Projekte aber, für die ich keinen Verlag finde, ist das E-Book auf alle Fälle eine sinnvolle Alternative. Ich bin mir sicher, dass sich da in den nächsten Monaten bzw. dem nächsten Jahr was auf dieser Seite tun wird. Und wenn @ametim mitmacht, gibt es das Werk / die Werke vielleicht auch auf Russisch :-)

    Lg
    Emju

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