Mittendrin statt nur dabei

Willkommen in der Midlifecrisis. So ungefähr fühle ich mich gerade. Verspüre Rastlosigkeit, Sehnsüchte, die ich nicht ergründen kann, den Wunsch, etwas zu ändern. Aber was? Und woher kommt das?

In meinem Leben ist eine Art Stillstand eingetreten. Habe alles erreicht, was aus meiner Ausgangsposition zu erwarten war, keine verlockende Perspektive mehr.

Beruflich könnte ich noch das ein oder andere Abenteuer eingehen, Möglichkeiten gäbe es, aber die sind dermaßen unkalkulierbar, dass ich sie mir als Last-Exit vorbehalte.

Außerdem warte ich ja auch auf den Druck meines Buches. Nun, vielleicht ändert sich danach ein bisschen was in meinem Leben. Wäre schon schön. Wäre auch schön, wenn ich wieder etwas kreativer würde. Aber dazu bräuchte es Impressionen, die ich verarbeiten muss. Und so dreht sich alles im Kreis, denn genau diese Impressionen fehlen mir momentan. Mir ist langweilig.

Ich lese viel, mache meine Hausarbeit, gehe meinem Broterwerb nach – aber das war es dann auch schon. Und das schlimmste ist: Mir ist nicht zu helfen. Schlagen Sie mir bitte nicht vor, ich solle mich doch in einem Verein engagieren oder irgendwas Gemeinnütziges tun. Da könnte ich genauso gut joggen gehen, das ist ebenso wenig mein Ding.

Nein, ich sitze lieber hier in Lauerstellung und warte, dass was passiert. Verbringe mein Leben in kleinen Leichtsinnigkeiten (genau betrachtet ist das ein sehr schönes Wort) und erfreue mich an kurzen, glücklichen Momenten, die hin und wieder auftauchen, aber keine nachhaltigen Spuren hinterlassen.
Vielleicht ist dies ja nur die Zeit des Kräftesammelns für ein bevorstehendes Ereignis. Und dann kommt es wie eine Explosion – BUMM! – und ich frage mich, wie ich mit all den plötzlichen Veränderungen zurechtkommen soll.

Wenn dem Esel zu wohl ist, geht er aufs Glatteis.

2 Kommentare zu „Mittendrin statt nur dabei“

  1. Markus sagt:

    Hallo Emju
    Ich glaube stark an den letzten Teil Deines Blogs. Manchmal gibt es Phasen im Leben, in denen scheinbar alles still zu stehen scheint. Diese Phasen habe ich auch, sowohl beruflich, als auch privat. Aber zumeist ist es ein Ausholen für die nächste Phase, in der es plötzlich wieder alles ganz schnell geht und man ohne langes Nachdenken wieder Entscheidungen trifft, die das Leben wieder in neue Bahnen lenkt.
    Kritisch wird es dann, wenn man in dieser Phase verharrt oder gar nicht bemerkt, dass man mitten in solch einer ist.
    Ohne dass ich Dich nun wirklich kennen würde, habe ich nicht den Eindruck, dass Dir eines von beiden wirklich passieren könnte.
    lg Markus

  2. emju sagt:

    Lieber Markus,

    ich weiß nicht, ob Du meine Tweets vorhin gelesen hast, aber es scheint tatsächlich nur die Ruhe vor dem Sturm zu sein. Witzig, dass mir gestern nach diesem Blogeintrag war und seither einige schöne Ideen an mich herangetragen wurden – von zwei Frauen, die mein Blog vermutlich nicht mal kennen und mit denen ich über das Grundproblem auch nicht gesprochen habe.
    Wenn sich alles so einlässt, wie es den Anschein hat, könnte das ein gutes Jahr werden. Ich freue mich darauf. Und wenn es nicht klappt, habe ich zumindest nicht still gestanden.
    Wenn man dann noch so nette Menschen um sich hat, die einem in Zeiten der inneren Unrast Mut zusprechen, kann man sich als glücklichen Menschen bezeichnen.

    Das tue ich hiermit. Danke für Deinen schönen Kommentar.

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