Es gibt Zeiten im Leben, da verrennt man sich total in eine bestimmte Sache. Das kann so schlimm werden, dass man an nichts anderes mehr denkt, in Fantasien schwelgt, in eigene, im Grunde nicht existente Welten abtaucht, und alles, ja wirklich alles im Leben auf diese bestimmte Sache ausrichtet.
Manchmal klappt das, die Dinge entwickeln sich, wie man es sich gewünscht hat, und die Welt ist, zumindest für eine Weile, in Ordnung. Manchmal funktioniert es aber auch nicht. Man kommt einfach nicht zum Ziel.
Jetzt kann man viele Schuldige suchen; sich selbst, die Anderen, die Umstände, den Mond im falschen Haus… Aber wem nutzt schon die Suche nach Schuld und Verantwortung, es geht doch im Grunde immer noch nur um diese bestimmte Sache.
Man könnte sich jetzt den Kopf darüber zerbrechen, warum man sie nicht erreicht, nach Lösungen suchen, Kompromisse eingehen, auch wenn sie einem falsch erscheinen, neben allem anderen auch sich selbst dieser Sache unterordnen, bis hin zur Aufgabe aller persönlichen Ideale…
Ich ziehe es an diesem Punkt vor, mich zu fragen, wofür es gut ist, dass ich die angestrebte Sache nicht erreiche.
Es gab bisher manche solche Sachen, die mir wahnsinnig viel bedeuteten, an denen ich schnuppern und kosten durfte, die mir aber trotzdem nicht zuteil wurden.
Rückblickend gesehen kann ich fast durchweg sagen: Es war besser so.
Wenn ich im Leben alles bekommen hätte, was ich mir gewünscht habe, hätte ich mir dadurch nicht nur einmal mein sogenanntes Glück zerstört. Vielmehr hätte ich mich in Stromschnellen begeben, von denen ich fortgrissen worden wäre in eine nicht nur ungewisse, sondern vielleicht auch unbeherrschbare Zukunft, eine Zukunft, in der ich nicht hätte ich selbst sein können.
Ist es also am Ende Schicksal, dass bestimmte Dinge nicht gelingen wollen, als sollte der Betroffene so vor Schlimmerem bewahrt werden? Eine Art ’scheinbarer Zufall’, der zwar nicht verhindert, dass man bis an einen gewissen Punkt gelangt, aber immerhin dafür sorgt, dass man diesen Punkt nicht zu überschreiten vermag?
Ich weiß nicht, wie man es nennt, aber ich bin froh, dass es existiert. Denn sonst würde ich manchmal ungebremst in mein Unglück rennen.
Ich bin ganz und gar nicht fatalistisch veranlagt. Ehe ich mich jedoch total auf eine bestimmte Sache versteife, sage ich mir selbst: Wenn es sein soll, dann wird es auch.
Auch wenn das vielleicht – oder ganz bestimmt sogar – nur eine Schutzbehauptung ist, hat es mich schon vor vielen Enttäuschungen bewahrt und mich daran gehindert, zu viel Energie auf den Bau von Luftschlössern zu verwenden.
Wenn es sein soll, dann wird es auch… Das gefällt mir gut. Ich danke Dir, das hilft sehr. Macht zuversichtlich.