Archiv für Dezember 2009

Eisiges Ärgernis

Sonntag, 27. Dezember 2009

Eigentlich sollte man ja meinen, dass die Leute für den Winter und seine Gefahren auf der Straße allmählich sensibilisiert sind, aber dem ist leider nicht so. Heute Morgen begegnete ich einem Zeitgenossen, dem die Sicherheit der anderen Verkehrsteilnehmer offenbar ziemlich egal ist.

Was war passiert?

Ich fuhr eine kurvenreiche Straße im Stadtgebiet, ca. Tempo 50, das mir entgegenkommende Fahrzeug vermutlich auch. Sein Dach war dick mit Schnee bedeckt.

Als das andere Auto noch etwa 10 Meter von mir entfernt war und in die Kurve zwischen uns einfuhr, rutschte der komplette Schnee von seinem Dach – und auf meine Straßenseite. Wäre ich eine Sekunde früher dran gewesen, hätte ich entweder eine heftige Breitseite oder die ganze Ladung auf die Motorhaube bekommen.

Der Schnee war nicht frisch, sondern gefroren. Eine Eisplatte, die beim Aufprall auf dem Boden mit einem lauten Krachen zerschellte und deren Reste die halbe Fahrbahn vor mir bedeckten. Ich trat auf die Bremse, riss das Steuer herum und wich aus.

War ein interessantes Gefühl und hätte so ausgehen können:
Eisbrocken durchschlägt Autoscheibe in Birmenstorf

Wenn zwei Autos jeweils 50 Kmh fahren, hat so ein Eisbrocken eine nicht zu unterschätzende Geschwindigkeit und eine entsprechende Wucht beim Aufprall.

Liebe Autofahrer, räumt bitte den Schnee von euren Fahrzeugen. Tut es nicht wenn möglich oder weitgehend, tut es richtig. Man ist kein Spießer, wenn man vor Fahrtantritt eben mal einen Besen in die Hand nimmt und allen Schnee vom Auto fegt.

Es ist ja Weihnachten

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Zugegeben, ich mag den Winter nicht. Diesen nicht und keinen anderen. Ich kann dem weißen Zeug und der Kälte nichts abgewinnen, das Autofahren macht keinen Spaß, wenn man ständig auf Glatteis achten muss, und am wenigsten kommen meine Augen mit der kalten Jahreszeit klar. Sie tränen immerzu.

Das ist manchmal richtig peinlich. Ich gehe das kurze Stückchen von meinem Büro zur Kantine über den Hof, und bis ich dort ankomme, sehe ich aus, als hätte Zwiebeln geschnitten. Betroffene Gesichter sehen mich an, ich erkläre: „Nein, nein, es ist nichts, ich habe nur schwache Bindehäute“, und wische mir die Tränen aus dem Gesicht. Ohne ein Taschentuch in meiner Jacke bin ich in so einer Situation verloren.

Eine Freundin riet mir, es mit Augentropfen zu versuchen. Seither träufle ich mir täglich so homöopathisches Zeug in die Augen, aber das hilft auch nicht wirklich. Sie tränen immer noch, sobald ein Windhauch sie streift. Nur – wenn ich die Tropfen vergesse, tränen sie noch viel schlimmer.

Heute früh waren die Tropfen leer. Also ging ich zur Apotheke und erklärte mein Problem. „Wünschen Sie eine Beratung?“, fragte die freundliche Apothekerin, und ich willigte freudig ein, zumal sie mir versicherte, dasselbe Leiden zu haben. „Das sind trockene Augen“, sagte sie, „aber da gibt es hervorragende Tropfen, die sind ganz toll, ich nehme sie selbst.“

Nun, das klang sehr mutmachend. Die Apothekerin verschwand, kam mit einer flachen Schachtel zurück und sagte: „Erschrecken Sie nicht, das nimmt man auch bei Kontaktlinsen, aber gerade für Ihr Problem hilft es wunderbar.“

Dann machte sie Schachtel auf. Darin befand sich ein Streifen mit zehn Ampullen. Ich war zwar etwas irritiert, aber dachte: na zum Probieren nicht schlecht.

„Träufeln Sie sich die Tropfen ganz vorsichtig in die Augen. Was daneben läuft, verreiben Sie einfach ringsum. Das ist Feuchtigkeit, das habe ich auf einem Seminar gelernt“, pries die Apothekerin die Tropfen an wie ein Wundermittel und verkündete anschließend, als sei dies nicht selbstverständlich: „Eine Ampulle reicht für beide Augen.“

Bei so viel Glück wagte ich kaum, nach dem Preis zu fragen, aber ganz unerheblich fand ich diesen Aspekt dann doch nicht, also formulierte ein zurückhaltendes: „Was kosten die denn?“

Der Gesichtsausdruck der Apothekerin veränderte sich schlagartig. Die Euphorie in ihm wich einem schwer zu bestimmenden Unbehagen, umständlich fuhr sie mit der Packung über den Scanner und meinte dann: „Zwölfünfundachtzig.“

„Das ist viel Geld für zehn Tage“, meinte ich.

Sie lächelte gespreizt, überlegte und sagte schließlich: „Ja, wenn Sie die jeden Tag brauchen, hätte ich da noch ein Fläschchen. Das ist deutlich günstiger“, eilte davon und kehrte mit einer sehr viel kleineren Packung desselben Herstellers zurück.

„Ist da das Gleiche drin?“, fragte ich.

„Ja, genau das Gleiche. Und es kostet nur Vierfünfundachtzig.”

Aha. Den Preis kannte sie auswendig.

Gönnerhaft fügte sie hinzu: „Es ist ja Weihnachten.“

Oh, wie habe ich mich gefreut. So reich, so selbstlos beschenkt zu werden.

Ich kaufte das Fläschchen und bin nun gespannt, ob ich weitere Tränen vergießen werde.

Reichlich erfreulicher war mein späteres Weihnachtserlebnis zu Hause. Mein Nachbar kam herüber und brachte mir einen Weihnachtsgruß.

Mit ihm gab er mir den Glauben an den eigentlichen Charakter dieses Festes zurück.

Ihnen allen ein frohes Fest, friedliche, besinnliche Tage und einen Apotheker, dem Sie vertrauen können.

Liebt man nur das Schöne, und, wenn nein, warum doch?

Samstag, 5. Dezember 2009

@charonsdead schreibt auf Twitter: “Lese gerade: ‘nicht das Schöne wird einem lieb, sondern das Geliebte wird schön.’  Schöner, wenn auch nicht richtiger Satz.”

Ich denke darüber nach und muss schmunzeln, denn meine Erfahrung ist: Man liebt nicht nur das Schöne, sondern auch das, was man regelmäßig sieht, manchmal jedenfalls, und das wird dann tatsächlich schön.

Woran liegt das? Was lässt das Auge nach Schönem im Vertrauten forschen?

Vielleicht ist es schlicht der Wunsch, sich mit Schönem zu umgeben. Er öffnet uns die Augen, lässt sie Schönes suchen – und finden, wenngleich auch oft erst auf den zweiten oder soundsovielten Blick, und plötzlich werden Menschen schön, die uns, beim ersten Hinsehen, vielleicht eher unscheinbar erschienen sind.

Möglicherweise sind es gerade die Augen dieses Menschen, die uns als erstes gefallen, weil sie eine außergewöhnliche Farbe oder einen besonderen Ausdruck haben. Eventuell auch der Mund, weil er extrem sinnlich ist. Kann sein, dass es die Haut ist, weil sie so weich aussieht, so glatt …

Bei genauem Hinsehen lässt sich viel Schönes entdecken.

Menschen sind ja auch schön. An ihnen ist so viel Bewundernswertes, das es lohnt, sie zu betrachten. Der eine hat ein fantastisches Lächeln, die andere herrliches Haar … Wenn man nur intensiv genug hinsieht, besitzt jeder von uns mindestens ein Merkmal, das ihn zu etwas Besonderem macht. Und wenn es dann noch jemanden gibt, der uns mag, dann wird er dieses Merkmal wahrscheinlich als ‚schön‘ bezeichnen.

Man liebt also nicht nur das Schöne, sondern die Liebe lässt uns das Schöne sehen. Oder, um es mit Antoine de Saint-Exupéry zu sagen: “Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.”

Champagnerlaune

Freitag, 4. Dezember 2009

Heute gibts nur Erlesenes.

Hört! Hört! Champagnerlaune