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Wenn die Traurigkeit Einzug hält, weil Wünsche Erkenntnissen Platz machen, bade in der Welt. Du kannst dir die Dinge nicht schöner reden als sie sind. Geh hinaus, lausche den Vögeln, schau in den erwachenden Himmel, den rosafarbenen Horizont, kneif dich, lache laut, damit du weißt, dass du am Leben bist. Mach aus einer kalten Winternacht einen warmen Frühlingsmorgen. Ergreife die Kelle der Lebenslust und schöpfe aus der Zuversicht.
Hörst du, wie die Amsel singt? Sie weiß nichts von deinen Tränen, dein Kummer rührt sie nicht. Tue es ihr gleich und singe. Stürze dich in den neuen Tag, den unverbrauchten, der alles für dich bereithält. Du musst nur danach greifen.
You can’t always get what you want. But you get what you need.
Kennt ihr das: Ein Tag beginnt mit der Note mangelhaft, steigert sich allmählich auf ausreichend, wird immer mehr befriedigen, plötzlich sogar gut und mit einem Mal ergießt er sich in einem regelrechten Feuerwerk der Freude.
Ich habe heute so einen Tag.
Nachdem dieser Tag von dunkelrot für unbrauchbar immer grüner wurde, hatte ich heute Nachmittag einen Termin zur Besichtigung einer Garage, nur wenige Meter von meinem Haus entfernt gelegen. Ich hatte mich letzte Woche telefonisch darauf beworben und eigentlich gar nicht so schnell mit einem Angebot gerechnet. Als ich sie mir dann eben ansah, war ich ganz begeistert. Nicht nur die Lage, auch die Maße sind optimal. Und das Beste: ich kann sie zum 01.12. schon haben. Müßig zu erwähnen, dass Garagen in meiner Wohngegend eher Mangelware sind und gute erst recht.
Anschließend ging ich nach Hause, sah in meinen Briefkasten und fand eine Paketkarte sowie einen Brief für mich. Die Handschrift auf dem Brief kannte ich nicht. Das Paket war bei der Nachbarin hinterlegt. Das ist ein absoluter Glücksfall, weil die heute eigentlich gearbeitet hat und der Zustelldienst erst gekommen ist, als sie schon Feierabend hatte. Normal muss ich Pakete für mich immer auf der Post abholen.
Was in dem Paket war, darf ich leider nicht sagen und auch nicht, von wem es war. Nur das: Ich hab mich gefreut wie eine Bekloppte. Und ich freue mich immer noch.
Der Brief kam leider anonym. Er stammt von einer Twitterfreundin, soviel hat sie mir verraten. In ihm war eine liebe, geheimnisvoll verfasste Karte sowie ein Tuch und eine Augenklappe. Sehr piratig das Ganze. Sehr nach meinem Geschmack. Wäre ich nicht ganz so bilderscheu, würde ich mir das Tuch um den Kopf binden, die Augenklappe aufsetzen und mich ablichten, irgendwie mit Selbstauslöser oder so. Aber das lassen wir lieber. Stattdessen nur das Tuch und die Augenklappe.

Dir, liebe Unbekannte und dem Absender des Paketes widme ich diesen Blogeintrag. Ich hoffe, das Leben verwöhnt euch so, wie ihr mich heute verwöhnt habt. Ich danke euch dafür.
Euer Emu.
Da kämpfe ich verzweifelt mit Cremes gegen das Alter, setze mich keinem Solarium und keinem Sonnenbad mehr aus, nur damit die Haut so lange es geht jung bleibt, bin eigentlich auch ganz zufrieden mit dem Ergebnis und dann, eines schrecklichen Abends, sehe ich 3Sat Kulturzeit und bin fassungslos – und empört. Das Allerheiligste der Frau, ihr Genitalbereich, wurde ohne mein Wissen und an mir vorbei der Diktatur der Mode unterworfen und hat nun möglichst nackt zu sein. Und das Schlimmste daran ist – so zumindest laut dem Beitrag in 3Sat – Frau zwingt sich das selbst auf.
Liebe Damen, seid ihr eigentlich noch gesund? Müssen wir uns nicht schon genug quälen um schön zu sein, muss es jetzt auch noch eine blitzblank rasierte Scham sein? Die von Almsick behauptet angeblich, „Haare am Körper seien prinzipiell unhygienisch“. Aha. Warum rasiert sich die Dame dann nicht gleich den Schädel? Und Frau Beckham fordert Intimrasur als Pflicht. Blödgehungert oder was?
Jugendlich aussehen wollen ist eine Sache, aber ich weigere mich, mich einer Doktrin zu unterwerfen, die mich zwingen will, meine Weiblichkeit gegen Kindlichkeit einzutauschen. Die Schambehaarung ist eine ganz normale Sache, nichts, weswegen man sich schämen müsste.
Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Frau von allein auf die selten bescheuerte Idee gekommen ist, das einzig Wahre sei, ‚untenrum‘ auszusehen wie eine Zehnjährige.
In dem verlinkten Artikel wird erwähnt, die Jugendlichen holen sich diese Anregung in Pornofilmen. Und die werden wahrscheinlich in den seltensten Fällen von Frauen für Frauen gedreht. Das ist eine Männerdomäne. Letztendlich ist es also doch der Mann, der uns so sein Schönheitsideal verkaufen will.
Schiebt euch dieses Ideal am besten da hin, wo es am dunkelsten ist, liebe Herren! Nur, weil Kinderpornographie verboten ist, sehe ich es nicht ein, mich für euch zu einem Kind zu machen, und wenn euch das nicht gefällt, dann bleibt, wo der Pfeffer wächst.
Die Haare bleiben dran!
Im weiteren Verlauf des Beitrags ging es dann noch um die perfekte Vulva. Aber das erspare ich mir und Ihnen.
Es gibt Zeiten im Leben, da verrennt man sich total in eine bestimmte Sache. Das kann so schlimm werden, dass man an nichts anderes mehr denkt, in Fantasien schwelgt, in eigene, im Grunde nicht existente Welten abtaucht, und alles, ja wirklich alles im Leben auf diese bestimmte Sache ausrichtet.
Manchmal klappt das, die Dinge entwickeln sich, wie man es sich gewünscht hat, und die Welt ist, zumindest für eine Weile, in Ordnung. Manchmal funktioniert es aber auch nicht. Man kommt einfach nicht zum Ziel.
Jetzt kann man viele Schuldige suchen; sich selbst, die Anderen, die Umstände, den Mond im falschen Haus… Aber wem nutzt schon die Suche nach Schuld und Verantwortung, es geht doch im Grunde immer noch nur um diese bestimmte Sache.
Man könnte sich jetzt den Kopf darüber zerbrechen, warum man sie nicht erreicht, nach Lösungen suchen, Kompromisse eingehen, auch wenn sie einem falsch erscheinen, neben allem anderen auch sich selbst dieser Sache unterordnen, bis hin zur Aufgabe aller persönlichen Ideale…
Ich ziehe es an diesem Punkt vor, mich zu fragen, wofür es gut ist, dass ich die angestrebte Sache nicht erreiche.
Es gab bisher manche solche Sachen, die mir wahnsinnig viel bedeuteten, an denen ich schnuppern und kosten durfte, die mir aber trotzdem nicht zuteil wurden.
Rückblickend gesehen kann ich fast durchweg sagen: Es war besser so.
Wenn ich im Leben alles bekommen hätte, was ich mir gewünscht habe, hätte ich mir dadurch nicht nur einmal mein sogenanntes Glück zerstört. Vielmehr hätte ich mich in Stromschnellen begeben, von denen ich fortgrissen worden wäre in eine nicht nur ungewisse, sondern vielleicht auch unbeherrschbare Zukunft, eine Zukunft, in der ich nicht hätte ich selbst sein können.
Ist es also am Ende Schicksal, dass bestimmte Dinge nicht gelingen wollen, als sollte der Betroffene so vor Schlimmerem bewahrt werden? Eine Art ’scheinbarer Zufall’, der zwar nicht verhindert, dass man bis an einen gewissen Punkt gelangt, aber immerhin dafür sorgt, dass man diesen Punkt nicht zu überschreiten vermag?
Ich weiß nicht, wie man es nennt, aber ich bin froh, dass es existiert. Denn sonst würde ich manchmal ungebremst in mein Unglück rennen.
Ich denke, es wird mal wieder Zeit für eine Kurzgeschichte. Viel Spaß damit.
Hexenkreis
Die Augen konzentriert auf den laubbedeckten Boden gerichtet, fast schon blind vom Gelb und Rot und Braun der Blätter, von dem sich die ebenso gelben und rötlichen und braunen Pilzkappen kaum unterscheiden, wenn sie nicht schon über den Blätterteppich hinausragen und nur die weißen sich durch ihr helles Schimmern verraten, stapfe ich seit Stunden durch den Herbstwald, alleine, nur Bäume, Vögel, Krabbeltierchen und ich, und spüre den schwer gewordenen Korb in meinen Arm schneiden, mir sagen, dass es genug ist für heute, dass ich noch Stunden damit beschäftigt sein werde, die ganzen Pilze zu waschen, kleinzuschneiden und dann einzumachen, und dass ich mit jeder Stunde, die ich weiter verstreichen lasse, den Würmern nur noch mehr Zeit gebe, sich weiter in das Pilzfleisch zu bohren, bis hinauf in die Kappen ihre braunen Bahnen zu ziehen, die sie allein mit ihren gefräßgen Mäulern schaffen und nicht aufgeben, obwohl sie schon jetzt dem Tod geweiht sind, jenem unvermeidlichen Wurmtod, der sie unbarmherzig in meiner Küche ereilen wird, heimsuchen in Form meines Messers, jeden einzelnen von ihnen werde ich bis in die Ränder der Pilzhüte verfolgen dort herausschälen, das Fleisch der Frucht von ihnen reinigen, befreien und dabei große Freude empfinden, auch wenn ihnen das kochende Wasser ohnehin ihr Ende bereiten würde, aber wer will schon Würmer essen, bzw. wer will schon wissen, dass er Würmer isst, und da außer mir von diesen Pilzen niemals jemand kosten wird, ist es wichtiger als alles andere, die Würmer zu entfernen, denn andernfalls würde ich mich nicht überwinden können, diese Pilze zu essen, wobei ich eigentlich gar keine Pilze mag, ich sammle sie nur gerne, und alles was dann kommt, das Säubern, das Zubereiten, das Haltbarmachen und schließlich der Verzehr, habe ich mir nur deshalb zur Pflicht gemacht, weil ich gelernt habe, Lebensmittel nach Möglichkeit niemals wegzuwerfen, so, wie ich auch bewusst mit Energie umgehe und selbst meine Gefühle nicht vergeude, was letztendlich vermutlich der Grund ist, warum ich nun schon seit so vielen Jahren alleine lebe, ohne Aussicht auf Änderung, ohne Hoffnung auf ein Herz, das sich für mich erwärmen mag, bin ich doch bekannt für meine Schrulligkeit und gefürchtet wegen meiner Sparsamkeit, meinem Geiz, wie die Leute sagen, dabei bin ich gar nicht geizig, ich gebe nur nichts aus für Dinge, die ich nicht benötige und brauche im Grunde nicht viel um zu leben, weswegen ich ein gutes Auskommen mit der kleinen Rente habe, die mir seit einigen Jahren überwiesen wird und von der ich nur wenig für Medizin oder sonstige lebensnotwendige Dinge verbrauche, schließlich bin ich nur äußerst selten krank, vermutlich, weil ich mich abgehärtet habe, im Winter nur wenig heize, mich mit kaltem Wasser wasche und außer selbstgepflückten Kräutertees und Wasser aus dem Bergbach nichts trinke, keine Limonaden, keinen Alkohol und keinen Kaffee, denn Kaffeebohnen wachsen hier nicht, im Gegensatz zu dem Tabak, den ich für mich anbaue, und dessen Ernte mir ein Jahr lang reicht, um mir, geschnitten und in Zeitungspapier gerollt, gelegentlich ein kleines Vergnügen zu bereiten, vielleicht das einzige außer dem Pilzesammeln und Würmertöten und dem Gärtnern in meinem Gemüsebeet, dessen Erträge ausreichen, um selbst einen langen Winter gut überdauern und das mir nicht so viel Mühe macht wie das Holzhacken, das Pumpen des Wassers aus meinem vor vielen Jahren selbstgegrabenen Brunnen oder das Waschen meiner wenigen Kleidungsstücke im eiskalten Bach, der neben meiner Holzhütte entlangläuft, wegen dem ich sie überhaupt genau an diesem Platz errichtet habe und nicht, wie manche im Dorf behaupten, weil du unter ihrem Fundament liegst, seit du vor fünfzehn Jahren plötzlich verschwunden warst, einfach nicht mehr nach Hause kamst nach deinem letzten Kneipengang, einem von hunderten, unser ganzes Geld hast du in das Wirtshaus getragen, es verspielt, versoffen, in den weiten, prall gefüllten Ausschnitt der Wirtin gesteckt, sauer verdientes Geld das ich mit meinen Händen und im Schweiße meines Angesichts erarbeitet habe, denn du hast ja lang schon nicht mehr gearbeitet, warst Frührentner, nachdem der Riegerbauer dich bei der Weizenernte betrunken mit dem Traktor über den Haufen gefahren hat und du den rechten Arm verlorst, zu Saufen begannst und das Unglück, in dessen Folge wir uns auseinanderlebten, seinen Lauf nahm, ich deine Welt nicht mehr verstand und du meine nicht mehr betreten wolltest, bis ich nicht mehr konnte und es an jenem Abend tat, aber ich habe dich nicht erschlagen und unter der Hütte verscharrt, wie manche Leute behaupteten, sondern im Bach ersäuft, und du hast dich gewunden, hast einfach nicht verrecken wollen, dabei warst du so besoffen, dass ich dachte, es würde ganz schnell gehen, doch du hast gezappelt, um dich geschlagen wie wahnsinnig, bis dann endlich dein Schlagen zu einem Zucken verkam, die Kraft aus dir floss und mit dem Bach davonrann und irgendwann deine wütenden Arme leblos zu Boden sanken, jenen laubbedeckten, Schreie schluckenden Boden, in dem dich später die Würmer gefressen haben, nicht weit von hier, die Stelle habe ich mit einem Kabelbinder markiert, ihn um den Zweig eines Strauches gebunden, und manchmal gehe ich noch dorthin, nur um ein bisschen bei dir zu sein und auf dich zu schimpfen, weil du mir unser Leben zerstört hast, mich einsperrtest in dieser Hölle von einer Ehe, aus der ich nur hätte entkommen können, wenn ich mich umgebracht hätte, das hast du mir jedenfalls immer vorgeschlagen, anders, so hast du gesagt, würde ich dich nicht los, aber da hast du dich getäuscht, und auch wenn ich nie mehr glücklich geworden bin, so gehe ich doch heute hier Pilze suchen und du lieferst ihren Nährboden, und da, wo du liegst, wächst seit Jahren ein Hexenkreis.