allenthalben zweifelhaft

30. Januar 2010

Verstandtötendes Zerfressensein. Die Suche nach Zufriedenheit schleichend dem Wunsch nach Erneuerung geopfert. Klärende Gespräche nur mit sich selbst, auch da allenthalben zweifelhaft, Flucht in Ablenkungsmanöver, Umkreisen des Pudels Kerns wie Mondgestirn, bis die Fliehkraft die Bahn ins Endlose treibt. Aussitzen, was nicht ausgestanden ist. Sehnsucht nach dem siebten Himmel, Suchtseen ufern am Rande des Wahnsinns. Aus … Gedanken tanzen wilde Reigen, Mutmaßungen verdrängen Frohgeschmack. Was bleibt ist Müdigkeit, die sich wie betäubender Schnee über die Seele legt. Alle Lust aus ihr zieht. Alle Freude einfriert. An den Barrieren der Zeit gescheitert. Aufgegeben, was noch nicht begann. Feuerprobe – oder Teufelsschabernack? Leiden, wie schwer kannst du wiegen.

Welt 2.0

24. Januar 2010

Die großartigen Möglichkeiten des Internets – speziell die des Social Webs – geben dem kleinen Künstler ungeahnte Möglichkeiten. Denkt man.

Er kann zum Beispiel sein eigenes (E-)Buch oder seine eigene CD produzieren und durch das Verbreiten entsprechender Infos im Social Web die Distribution desselben anleiern. Denkt man.

Er kann ein Experiment daraus machen, sich in horrende Ausgaben stürzen und hoffen, dass die eigene Popularität – z.B. auf Twitter – und der Realitätssinn der Interessenten ausreichen, um das künstlerische Produkt ‚herzuschenken‘ und trotzdem genug durch Spenden einzunehmen, um wenigstens die eigenen Kosten wieder reinzuholen. Das sollte doch bei einer so großen Community klappen. Denkt man.

Die Realität sieht anders aus.

Der Musiker Weltherrscher hat dieses Experiment gewagt. Er hat, nach vorheriger Umfrage auf Twitter, eine CD produziert, 1000 Stück davon pressen lassen und in entsprechenden Blogbeiträgen bekannt gegeben, dass er bereit ist, diese CD zu verschenken. Klar gab er zu, sich über Spenden für die CD zu freuen.

Daneben hat er die komplette CD als Zip-Download zur Verfügung gestellt, was natürlich dem Liebhaber nicht das Original ersetzen kann; das Anfassen einer echten CD mit einem richtigen Autogramm auf dem Inlay, liebevollem Design und dem Gefühl, an einer großartigen Sache mitgewirkt zu haben – nämlich dem ersten Schritt in die Unabhäbgigkeit von der Musikindustrie.

Knapp ein halbes Jahr ist seither vergangen. Von den 1000 CDs ist nicht mal ein Fünftel abgerufen worden. Mangels Interesse? Wahrscheinlich. Propagiert wurde die Aktion reichlich genug – zumindest auf Twitter und auch in diversen Blogs. Von fehlender Werbung kann also keine Rede sein.

Gut, man kann niemanden zwingen, sich an so einem Experiment zu beteiligen. Aber gerade auf Twitter – so sollte man meinen – tummeln sich reichlich Leute, die sich eine Welt 2.0 herbeisehnen, in der man nicht mehr abhängig ist von den großen Musikkonzernen, in der es Downloadmöglichkeiten ohne DRM für Musik zum kleinen Preis gibt usw. Und dann lassen doch so viele eine solch einmalige Möglichkeit, nämlich die, im Zuge dieses Experiments zu beweisen, dass so was funktioniert, dass Freiwilligkeit bzgl. des Preises nicht zwangsläufig dazu führt, dass der Künstler bei der Sache draufzahlt, einfach sausen.

Ich finde das niederschmetternd. Es nimmt mir meine Hoffnung, auf demselben Weg mal mein erstes eigenes Hörbuch zu verbreiten oder ein E-Book. Die Welt 2.0 ist doch weiter weg, als ich bisher geglaubt habe.

Auf diesen Links könnt ihr nachlesen, wie es sich mit der Aktion verhält
http://www.dieweltistscheisse.de/2009/09/07/cd-weltherrscher-ja-nein-vielleicht-auch-nicht/
und was dabei herausgekommen ist
http://www.dieweltistscheisse.de/2009/09/11/daten-daten-daten/.
Hier kann man die CD anhören:
http://www.lastfm.de/music/Weltherrscher/ja%2C+nein%2C+vielleicht+auch+nicht

Ausstieg vom Ausstieg

23. Januar 2010

Als ich diesen Artikel begann, wollte ich fragen: Wie lange wird es noch dauern, bis wir lesen, dass der Ausstieg aus dem Ausstieg Geschichte ist? Dass wir dringend auf die Atomenergie – auch veralteter Meiler – angewiesen sind? Dass zum Beispiel GKN 1 (Neckarwestheim) am Netz bleibt? Schließlich steht dort der weltweit größte Generator für Einphasenwechselstrom und versorgt das Netz der Deutschen Bahn mit 150 MW – und Block 1 ist das einzige AKW, das Bahnstrom erzeugt. Natürlich ist die Deutsche Bahn AG Gesellschafter des Kraftwerks. Es ist ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Es geht um steigende Strompreise – auch für die Industrie. Es geht um eventuelle Einnahmen durch eine Abgabe auf zusätzliche Gewinne abgeschriebener Atomkraftwerke. Die Einnahmen aus so einer Abgabe fließen in den Köpfen der Politiker schon in den Bundeshaushalt 2011 mit ein – in Milliardenhöhe.

Und nun können wir es lesen! Ich konnte den Artikel nicht so schnell fertig schreiben wie mein Alptraum wahr geworden ist. Die Regierung trickst rum und lässt erst mal alle Meiler weiterlaufen (Stern.de v. 23.01.2010).

Danke, liebe Schwarz-Gelb-Wähler. Das habt ihr sauber hingekriegt!

Mittendrin statt nur dabei

9. Januar 2010

Willkommen in der Midlifecrisis. So ungefähr fühle ich mich gerade. Verspüre Rastlosigkeit, Sehnsüchte, die ich nicht ergründen kann, den Wunsch, etwas zu ändern. Aber was? Und woher kommt das?

In meinem Leben ist eine Art Stillstand eingetreten. Habe alles erreicht, was aus meiner Ausgangsposition zu erwarten war, keine verlockende Perspektive mehr.

Beruflich könnte ich noch das ein oder andere Abenteuer eingehen, Möglichkeiten gäbe es, aber die sind dermaßen unkalkulierbar, dass ich sie mir als Last-Exit vorbehalte.

Außerdem warte ich ja auch auf den Druck meines Buches. Nun, vielleicht ändert sich danach ein bisschen was in meinem Leben. Wäre schon schön. Wäre auch schön, wenn ich wieder etwas kreativer würde. Aber dazu bräuchte es Impressionen, die ich verarbeiten muss. Und so dreht sich alles im Kreis, denn genau diese Impressionen fehlen mir momentan. Mir ist langweilig.

Ich lese viel, mache meine Hausarbeit, gehe meinem Broterwerb nach – aber das war es dann auch schon. Und das schlimmste ist: Mir ist nicht zu helfen. Schlagen Sie mir bitte nicht vor, ich solle mich doch in einem Verein engagieren oder irgendwas Gemeinnütziges tun. Da könnte ich genauso gut joggen gehen, das ist ebenso wenig mein Ding.

Nein, ich sitze lieber hier in Lauerstellung und warte, dass was passiert. Verbringe mein Leben in kleinen Leichtsinnigkeiten (genau betrachtet ist das ein sehr schönes Wort) und erfreue mich an kurzen, glücklichen Momenten, die hin und wieder auftauchen, aber keine nachhaltigen Spuren hinterlassen.
Vielleicht ist dies ja nur die Zeit des Kräftesammelns für ein bevorstehendes Ereignis. Und dann kommt es wie eine Explosion – BUMM! – und ich frage mich, wie ich mit all den plötzlichen Veränderungen zurechtkommen soll.

Wenn dem Esel zu wohl ist, geht er aufs Glatteis.

Eisiges Ärgernis

27. Dezember 2009

Eigentlich sollte man ja meinen, dass die Leute für den Winter und seine Gefahren auf der Straße allmählich sensibilisiert sind, aber dem ist leider nicht so. Heute Morgen begegnete ich einem Zeitgenossen, dem die Sicherheit der anderen Verkehrsteilnehmer offenbar ziemlich egal ist.

Was war passiert?

Ich fuhr eine kurvenreiche Straße im Stadtgebiet, ca. Tempo 50, das mir entgegenkommende Fahrzeug vermutlich auch. Sein Dach war dick mit Schnee bedeckt.

Als das andere Auto noch etwa 10 Meter von mir entfernt war und in die Kurve zwischen uns einfuhr, rutschte der komplette Schnee von seinem Dach – und auf meine Straßenseite. Wäre ich eine Sekunde früher dran gewesen, hätte ich entweder eine heftige Breitseite oder die ganze Ladung auf die Motorhaube bekommen.

Der Schnee war nicht frisch, sondern gefroren. Eine Eisplatte, die beim Aufprall auf dem Boden mit einem lauten Krachen zerschellte und deren Reste die halbe Fahrbahn vor mir bedeckten. Ich trat auf die Bremse, riss das Steuer herum und wich aus.

War ein interessantes Gefühl und hätte so ausgehen können:
Eisbrocken durchschlägt Autoscheibe in Birmenstorf

Wenn zwei Autos jeweils 50 Kmh fahren, hat so ein Eisbrocken eine nicht zu unterschätzende Geschwindigkeit und eine entsprechende Wucht beim Aufprall.

Liebe Autofahrer, räumt bitte den Schnee von euren Fahrzeugen. Tut es nicht wenn möglich oder weitgehend, tut es richtig. Man ist kein Spießer, wenn man vor Fahrtantritt eben mal einen Besen in die Hand nimmt und allen Schnee vom Auto fegt.

Es ist ja Weihnachten

24. Dezember 2009

Zugegeben, ich mag den Winter nicht. Diesen nicht und keinen anderen. Ich kann dem weißen Zeug und der Kälte nichts abgewinnen, das Autofahren macht keinen Spaß, wenn man ständig auf Glatteis achten muss, und am wenigsten kommen meine Augen mit der kalten Jahreszeit klar. Sie tränen immerzu.

Das ist manchmal richtig peinlich. Ich gehe das kurze Stückchen von meinem Büro zur Kantine über den Hof, und bis ich dort ankomme, sehe ich aus, als hätte Zwiebeln geschnitten. Betroffene Gesichter sehen mich an, ich erkläre: „Nein, nein, es ist nichts, ich habe nur schwache Bindehäute“, und wische mir die Tränen aus dem Gesicht. Ohne ein Taschentuch in meiner Jacke bin ich in so einer Situation verloren.

Eine Freundin riet mir, es mit Augentropfen zu versuchen. Seither träufle ich mir täglich so homöopathisches Zeug in die Augen, aber das hilft auch nicht wirklich. Sie tränen immer noch, sobald ein Windhauch sie streift. Nur – wenn ich die Tropfen vergesse, tränen sie noch viel schlimmer.

Heute früh waren die Tropfen leer. Also ging ich zur Apotheke und erklärte mein Problem. „Wünschen Sie eine Beratung?“, fragte die freundliche Apothekerin, und ich willigte freudig ein, zumal sie mir versicherte, dasselbe Leiden zu haben. „Das sind trockene Augen“, sagte sie, „aber da gibt es hervorragende Tropfen, die sind ganz toll, ich nehme sie selbst.“

Nun, das klang sehr mutmachend. Die Apothekerin verschwand, kam mit einer flachen Schachtel zurück und sagte: „Erschrecken Sie nicht, das nimmt man auch bei Kontaktlinsen, aber gerade für Ihr Problem hilft es wunderbar.“

Dann machte sie Schachtel auf. Darin befand sich ein Streifen mit zehn Ampullen. Ich war zwar etwas irritiert, aber dachte: na zum Probieren nicht schlecht.

„Träufeln Sie sich die Tropfen ganz vorsichtig in die Augen. Was daneben läuft, verreiben Sie einfach ringsum. Das ist Feuchtigkeit, das habe ich auf einem Seminar gelernt“, pries die Apothekerin die Tropfen an wie ein Wundermittel und verkündete anschließend, als sei dies nicht selbstverständlich: „Eine Ampulle reicht für beide Augen.“

Bei so viel Glück wagte ich kaum, nach dem Preis zu fragen, aber ganz unerheblich fand ich diesen Aspekt dann doch nicht, also formulierte ein zurückhaltendes: „Was kosten die denn?“

Der Gesichtsausdruck der Apothekerin veränderte sich schlagartig. Die Euphorie in ihm wich einem schwer zu bestimmenden Unbehagen, umständlich fuhr sie mit der Packung über den Scanner und meinte dann: „Zwölfünfundachtzig.“

„Das ist viel Geld für zehn Tage“, meinte ich.

Sie lächelte gespreizt, überlegte und sagte schließlich: „Ja, wenn Sie die jeden Tag brauchen, hätte ich da noch ein Fläschchen. Das ist deutlich günstiger“, eilte davon und kehrte mit einer sehr viel kleineren Packung desselben Herstellers zurück.

„Ist da das Gleiche drin?“, fragte ich.

„Ja, genau das Gleiche. Und es kostet nur Vierfünfundachtzig.”

Aha. Den Preis kannte sie auswendig.

Gönnerhaft fügte sie hinzu: „Es ist ja Weihnachten.“

Oh, wie habe ich mich gefreut. So reich, so selbstlos beschenkt zu werden.

Ich kaufte das Fläschchen und bin nun gespannt, ob ich weitere Tränen vergießen werde.

Reichlich erfreulicher war mein späteres Weihnachtserlebnis zu Hause. Mein Nachbar kam herüber und brachte mir einen Weihnachtsgruß.

Mit ihm gab er mir den Glauben an den eigentlichen Charakter dieses Festes zurück.

Ihnen allen ein frohes Fest, friedliche, besinnliche Tage und einen Apotheker, dem Sie vertrauen können.

Liebt man nur das Schöne, und, wenn nein, warum doch?

5. Dezember 2009

@charonsdead schreibt auf Twitter: “Lese gerade: ‘nicht das Schöne wird einem lieb, sondern das Geliebte wird schön.’  Schöner, wenn auch nicht richtiger Satz.”

Ich denke darüber nach und muss schmunzeln, denn meine Erfahrung ist: Man liebt nicht nur das Schöne, sondern auch das, was man regelmäßig sieht, manchmal jedenfalls, und das wird dann tatsächlich schön.

Woran liegt das? Was lässt das Auge nach Schönem im Vertrauten forschen?

Vielleicht ist es schlicht der Wunsch, sich mit Schönem zu umgeben. Er öffnet uns die Augen, lässt sie Schönes suchen – und finden, wenngleich auch oft erst auf den zweiten oder soundsovielten Blick, und plötzlich werden Menschen schön, die uns, beim ersten Hinsehen, vielleicht eher unscheinbar erschienen sind.

Möglicherweise sind es gerade die Augen dieses Menschen, die uns als erstes gefallen, weil sie eine außergewöhnliche Farbe oder einen besonderen Ausdruck haben. Eventuell auch der Mund, weil er extrem sinnlich ist. Kann sein, dass es die Haut ist, weil sie so weich aussieht, so glatt …

Bei genauem Hinsehen lässt sich viel Schönes entdecken.

Menschen sind ja auch schön. An ihnen ist so viel Bewundernswertes, das es lohnt, sie zu betrachten. Der eine hat ein fantastisches Lächeln, die andere herrliches Haar … Wenn man nur intensiv genug hinsieht, besitzt jeder von uns mindestens ein Merkmal, das ihn zu etwas Besonderem macht. Und wenn es dann noch jemanden gibt, der uns mag, dann wird er dieses Merkmal wahrscheinlich als ‚schön‘ bezeichnen.

Man liebt also nicht nur das Schöne, sondern die Liebe lässt uns das Schöne sehen. Oder, um es mit Antoine de Saint-Exupéry zu sagen: “Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.”

Champagnerlaune

4. Dezember 2009

Heute gibts nur Erlesenes.

Hört! Hört! Champagnerlaune

KANGAROO (REMI GAILLARD)

21. November 2009

http://www.youtube.com/user/nqtv

http://www.nimportequi.com

Das wird mal ein ganz Großer

20. November 2009

http://www.myspace.com/monarkdjs